Entschlüsseln Sie jede ISO-Nummer eines Dentalbohrers in wenigen Sekunden. Lernen Sie das 15-stellige System für Form, Material, Körnung und Schafttyp kennen. Kostenlose Referenztabelle zum Ausdrucken.

Das ISO-Nummerierungssystem für Dentalbohrer verstehen

Jeder nach internationalen Standards gefertigte Dentalbohrer trägt eine ISO-Identifikationsnummer. Dieser 15-stellige Code wurde 1979 von der International Organization for Standardization gemäß ISO 6360 eingeführt und bietet eine universelle Sprache zur Identifizierung von Bohrern bei verschiedenen Herstellern und Lieferanten. Sobald Sie wissen, wie der Code zu lesen ist, können Sie Material, Schafttyp, Kopfform, Körnung und Durchmesser jedes Bohrers allein anhand der Nummer bestimmen.

Dieser Leitfaden erläutert die fünf 3-stelligen Abschnitte der ISO-Nummer eines Dentalbohrers und enthält praktische Beispiele, mit denen Sie jeden Bohrer in Ihrem Bestand entschlüsseln können.

Aufbau der ISO-Nummer eines Dentalbohrers

Die ISO-Nummer besteht aus fünf Gruppen mit jeweils drei Ziffern, die von links nach rechts gelesen werden. Jede Gruppe kennzeichnet eine bestimmte Eigenschaft des Bohrers:

PositionZiffernKennzeichnet
1. GruppeZiffern 1–3Material des Bohrers
2. GruppeZiffern 4–6Schafttyp, Durchmesser und Länge
3. GruppeZiffern 7–9Kopfform
4. GruppeZiffern 10–12Körnung (Schleifwirkung)
5. GruppeZiffern 13–15Maximaler Kopfdurchmesser

1. Materialtyp (erste 3 Ziffern)

Die ersten drei Ziffern geben an, aus welchem Material der Bohrer besteht. Die beiden häufigsten Materialcodes sind:

ISO-CodeMaterialEigenschaften
500DiamantStahlschaft mit Beschichtung aus natürlicher oder synthetischer Diamantkörnung. Wird zum Schneiden von Zahnschmelz verwendet, der härtesten Substanz im menschlichen Körper.
806HartmetallEtwa dreimal so fest wie Stahl. Äußerst stabil und effizient zum Schneiden verschiedener Materialien.

Einen ausführlichen Vergleich dieser beiden Materialien finden Sie in unserem Leitfaden zu Diamantschleifern im Vergleich zu Hartmetallfräsern.

2. Schafttyp, Durchmesser und Länge (zweite 3 Ziffern)

Die zweite Gruppe aus drei Ziffern codiert die Schaftausführung. Die erste Ziffer dieser Gruppe ist entscheidend – sie zeigt, für welches Winkelstück der Bohrer geeignet ist:

HP – Langer gerader Schaft (Code beginnt mit 1)

HP-Schäfte passen nach dem Entfernen des Prophylaxewinkels oder des Winkelstücks in den Nasenkonus eines Winkelstücks mit niedriger Drehzahl. Sie haben einen Durchmesser von 2.35 mm und werden typischerweise für Diamantschleifer für Dentallabore, Trennscheiben und längere 40 mm Bohrer verwendet. HP-Bohrer sind sowohl in Dentallaboren als auch in industriellen Anwendungen Standard.

RA – Winkelstückschaft (Code beginnt mit 2)

RA-Schäfte (Right Angle) rasten in den Verriegelungsmechanismus eines Winkelstückaufsatzes an Winkelstücken mit niedriger Drehzahl ein. Sie sind im Allgemeinen 20 mm lang und haben einen Durchmesser von 2.35 mm. RA-Bohrer sind mit denselben Kopfformen wie FG-Bohrer erhältlich und ermöglichen bei niedrigeren Drehzahlen eine bessere Kontrolle beim Schneiden von Dentin oder Zahnschmelz.

FG – Reibungsschaft (Code beginnt mit 3)

FG-Schäfte passen in die Turbine eines Winkelstücks mit hoher Drehzahl und werden durch Reibung gehalten. Die Standardlänge beträgt 19 mm bei einem Durchmesser von 1.6 mm. Varianten umfassen:

  • FGSS (kurzer Schaft): Ermöglicht besseren Zugang zu den Seitenzähnen, insbesondere wenn Patienten den Mund nicht weit genug öffnen können
  • FGOS (chirurgische Länge): Längere Bohrer für größere Reichweite und bessere Sicht, beispielsweise bei Extraktionen und Wurzelkanalbehandlungen

Die letzte Ziffer dieser Gruppe gibt die Schaftlänge an. Der Wert „4“ bedeutet Standardlänge. Werte unter 4 kennzeichnen ultrakurze Schäfte; Werte über 4 stehen für verlängerte oder chirurgische Längen.

Weitere Informationen zum Einfluss des Schafttyps auf die Bohrerauswahl finden Sie in unserem Artikel über die Unterschiede zwischen FG-, RA- und HP-Schäften.

3. Kopfform (dritte 3 Ziffern)

Die dritte Gruppe kennzeichnet die Geometrie des Schneidkopfes. Jede Form erfüllt bestimmte klinische Funktionen:

KopfformBeispiel für ISO-CodeHäufige Anwendungen
Rund / Kugel001Schneiden, Schleifen, Entfernen harter und weicher Gewebe
Umgekehrter Kegel010Eröffnen von Kavitäten, Anlegen von Unterschnitten während der Chirurgie
Konisch / konisch zulaufend (flache Spitze)170Anfasen, Kronenpräparation
Konisch / konisch zulaufend (runde Spitze)197Finierarbeiten, Verfeinerung der Präparationsgrenze
Rad040Okklusale Formgebung, tiefe Schnitte, mechanische Retentionen
Zylinder (flaches Ende)110Präparation paralleler Wände, Kavitäten mit flachem Boden

4. Körnungsgröße (vierte 3 Ziffern)

Die vierte Gruppe gibt die Grobheit der Schneidfläche an. Bei Diamantschleifern entspricht dies direkt der Größe der Diamantpartikel. Die meisten Hersteller verwenden außerdem farbcodierte Ringe am Schaft zur schnellen visuellen Identifizierung:

FarbringKörnungsstufeISO-CodePartikelgröße (μm)
WeißExtrafein59410–30
GelbFein50420–50
RotFein51450–100
Blau / kein RingStandard (mittel)524100–150
GrünGrob534125–180
SchwarzSehr grob544150–250

In der Praxis verwenden die meisten Zahnärzte für die initiale Präparation eine Standardkörnung (blau/kein Ring) und wechseln anschließend für Finieren und Polieren zu feiner oder extrafeiner Körnung. Grobe und sehr grobe Körnungen sind der umfangreichen Materialreduktion vorbehalten, wenn Geschwindigkeit wichtiger ist als die Oberflächenqualität.

5. Maximaler Kopfdurchmesser (fünfte 3 Ziffern)

Die letzten drei Ziffern geben den maximalen Durchmesser des Bohrerkopfes in Zehntelmillimetern an. Beispiele:

  • ISO 008 = Durchmesser 0.8 mm
  • ISO 012 = Durchmesser 1.2 mm
  • ISO 016 = Durchmesser 1.6 mm
  • ISO 021 = Durchmesser 2.1 mm
  • ISO 023 = Durchmesser 2.3 mm

Die Auswahl des richtigen Kopfdurchmessers ist sowohl für das klinische Ergebnis als auch für den Patientenkomfort wichtig. Ein zu großer Bohrer erschwert die präzise Kavitätenpräparation. Ein zu kleiner Bohrer verlängert Verfahren, bei denen größere Materialmengen entfernt werden müssen.

Alles zusammenführen: Eine vollständige ISO-Nummer lesen

So lässt sich eine vollständige ISO-Nummer anhand eines praktischen Beispiels entschlüsseln:

ISO 806 314 197 524 016

ZifferngruppeCodeBedeutung
806MaterialHartmetall
314SchaftFG (Reibungsschaft), Standardlänge
197KopfformKonisch mit abgerundeter Spitze
524KörnungStandard (mittel)
016DurchmesserKopfdurchmesser 1.6 mm

Dies bedeutet, dass es sich um einen Hartmetallfräser mit FG-Schaft, konischem Kopf mit runder Spitze, Standardkörnung und einem maximalen Kopfdurchmesser von 1.6 mm handelt – eine häufige Ausführung für die Kronenpräparation und Finierarbeiten.

Häufige ISO-Nummern nach Verfahren

Die folgenden häufig verwendeten Bohrer und ihre ISO-Nummern helfen Ihnen, sich mit dem System vertraut zu machen:

VerfahrenTypischer BohrerISO-Aufschlüsselung
Kronenpräparation (Diamant, FG)Konisch, rundes Ende, mittlere Körnung500 314 197 524 016
Kariesentfernung (Hartmetall, RA)Runder Bohrer, Standardschnitt806 204 001 524 014
Laborbearbeitung (Diamant, HP)Zylinder, grobe Körnung500 104 110 534 020
Finieren (Diamant, FG)Flamme, extrafeine Körnung500 314 249 504 012

Mit etwas Übung wird das Lesen dieser Codes selbstverständlich. Beginnen Sie damit, sich die Materialcodes (500 für Diamant, 806 für Hartmetall) und die Schaftcodes (1 für HP, 2 für RA, 3 für FG) zu merken; der Rest folgt logisch.

Tipps zum schnellen Erkennen von ISO-Nummern

Zahnmedizinische Fachkräfte, die täglich mit Bohrern arbeiten, entwickeln Abkürzungen zum Lesen von ISO-Nummern. Hier sind einige praktische Tipps, um die Erkennung zu beschleunigen:

  • Konzentrieren Sie sich auf die erste Ziffer jeder Gruppe: Die erste Ziffer jedes 3-stelligen Abschnitts liefert oft die wichtigste Information. Beim Material steht 5 für Diamant und 8 für Hartmetall. Beim Schaft entsprechen 1/2/3 direkt HP/RA/FG.
  • Verwenden Sie den Farbring zur Bestätigung: Nachdem Sie den ISO-Körnungscode gelesen haben, prüfen Sie den Farbring am Schaft. Stimmen sie nicht überein, kontrollieren Sie den Bohrer erneut – möglicherweise ist er falsch etikettiert oder stammt aus der falschen Verpackung.
  • Bewahren Sie eine Referenztabelle im Behandlungsraum auf: Drucken Sie eine einseitige Tabelle mit den häufigsten ISO-Codes der von Ihnen geführten Bohrer aus. Befestigen Sie sie für eine schnelle Orientierung bei Bestellungen an der Innenseite einer Schranktür.
  • Vergleichen Sie Katalognummern mit ISO-Codes: Viele Hersteller geben sowohl ihre eigene Katalognummer als auch die ISO-Nummer an. Der Abgleich hilft Ihnen, gleichwertige Bohrer anderer Marken zu finden, wenn Ihr üblicher Lieferant nicht auf Lager ist.

Warum die ISO-Nummer in der Praxis wichtig ist

Das Verständnis von ISO-Nummern bietet direkte praktische Vorteile:

  • Präzise Bestellung: Geben Sie unabhängig von Marke oder Lieferant genau an, was Sie benötigen
  • Vergleich: Vergleichen Sie gleichwertige Bohrer verschiedener Hersteller
  • Bestandsverwaltung: Identifizieren Sie Bohrer schnell, ohne sich auf Farbcodes oder markenspezifische Bezeichnungen zu verlassen
  • Qualitätssicherung: Prüfen Sie, ob die gelieferten Bohrer der Bestellung entsprechen
  • Nachverfolgung der Sterilisation: Dokumentieren Sie für die Infektionskontrolle, welche Bohrer bei welchem Verfahren verwendet wurden. Informationen zu bewährten Verfahren der Sterilisation finden Sie in unserem Leitfaden zur Sterilisation von Dentalbohrern.

Das ISO-System beseitigt Unsicherheiten. Unabhängig davon, ob Sie bei einem inländischen Händler oder einem ausländischen Hersteller bestellen: Der 15-stellige Code beschreibt exakt denselben Bohrer. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um sich die häufigsten Codes der täglich verwendeten Bohrer zu merken – dadurch werden Einkaufsentscheidungen schneller und zuverlässiger.

Verwandt: Eine visuelle Übersicht aller Dentalbohrertypen, -formen und Diamantkörnungen finden Sie in unserer Dentalbohrer-Tabelle.

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